Ein Brief an die Regierungschefs der G8 und an den Präsidenten der Europäischen Kommission:
10. Juli 2006
Ein Brief an die Regierungschefs der G8 und an den Präsidenten der Europäischen Kommission:
Die G7 haben sich seit Anfang an für offene und demokratische Gesellschaften, freie Marktwirtschaft und für eine gemeinsame Antwort zu globalen Fragen eingesetzt.
Diese Woche werden sich die G8 Staaten zum ersten Mal in Russland treffen. Das Treffen findet in der Stadt St. Petersburg statt, dem historischen Verknüpfungspunkt zwischen Ost und West, als Belohnung für Russlands Schritte hin zur Demokratie unter dem ehemaligen Präsidenten Boris Jelzin. Leider hat die jüngere Geschichte unter Präsident Wladimir Putin eine Divergenz in den Werten von Russland und den restlichen G7 Mitgliedern gezeigt, sowie einen völligen Umschwung des russischen Demokratieprozesses.
Dieser Umschwung wurde umgreifend katalogisiert: Russlands aufkeimende unabhängige Presse wurde gänzlich niedergetrampelt. Politische Gegner wurden mit Klagen mundtot gemacht und in Gefängnisse gesteckt, die keine Menschenrechtsnormen erfüllen. Wahlen wurden als 'frei, aber kaum fair' beschrieben. Der furchtbare Krieg in Tschetschenien wurde mit geringfügigen Demokratiedefiziten gleichgesetzt, mit denen ein jeder Staat zu kämpfen habe. Eine solche Verharmlosung ist inakzeptabel. Im Fall von Michael Khodorkowski und Platon Lebedew hinterfragen wir die Unbefangenheit, Gerechtigkeit und Objektivität der Behörden, welche in ihren Maßnahmen die grundsätzlichen Rechte der Verteidigung missachtet haben. Die besonders harten Bedingungen ihrer Haft können jederzeit ein tödliches Ende nehmen, was die höchsten russischen Behörden persönlich zu verantworten hätten.
Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und die Zivilgesellschaft schwinden, während die FSB Strukturen wieder erstarken, NROs geschwächt und ausgeschaltet werden und Missbrauch im russischen Justizsystem weit verbreitet ist. Es ist nicht lange her, dass wir Zeuge wurden, wie Russland seine Energieressourcen als außenpolitisches Instrument benutzt hat. Als eifrige Verfechter der Demokratie und des Wohlstandes des russischen Volkes haben wir diese Entwicklungen mit großen Sorgen und Bedauern verfolgt.
Das Verhalten von Russland ist vollkommen inakzeptabel und widerspricht dem Status eines Mitgliedstaates der G8. Die Europäische Union hat zu lange geschwiegen. Das G8 Treffen bietet eine sehr gute Möglichkeit, diese Punkte anzusprechen. Russlands Einbeziehung in die Gruppe der Acht sollte nur unter der Bedingung erfolgen, dass es einen wirklichen Einsatz für demokratische Entwicklung und freier Markwirtschaft zeigt.
Wir, die Unterzeichner, rufen die Regierungschefs der G8 auf, diese Themen deutlich und eindeutig in St. Peterburg anzusprechen.
MEP Milan Horáček
MEP Jean Lambert
MEP Hiltrud Breyer
MEP Elisabeth Schroedter
MEP Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf
MEP Satu Hassi
MEP David Hammerstein Mintz
MEP Margrete Auken
MEP Hélène Flautre
MEP Marie Anne Isler Béguin
MEP Gitte Seeberg
MEP Elly de Groen-Kouwenhoven
MEP Sepp Kusstatscher
MEP Tunne Kelam
MEP Michael Gahler
MEP Heide Rühle
MEP Cem Özdemir
MEP Ari Vatanen
MEP Andres Tarand
MEP Maria da Assunção Esteves
MEP György Schöpflin
MEP Toomas Hendrik Ilves
MEP Danutė Budreikaité
MEP Árpád Duka-Zólyomi
MEP Vytautas Landsbergis
MEP Michael Cramer
MEP Eva Lichtenberger
MEP Bernd Posselt
MEP Alexander Alvaro
MEP Ģirts Valdis Kristovskis
MEP Claude Turmes
MEP Gérard Onesta
MEP Angelika Beer
MEP Rebecca Harms
MEP Gisela Kallenbach
Milan Horáček, MdEP
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